Reduktion, Schlichtheit und Ruhe sind angesichts einer immer schneller flimmernden, immer lauteren Umwelt wertvolle Tugenden. Andererseits vertragen wir nur ein begrenztes Mass an Abstraktion in unserer physischen Umwelt.
Wird unseren Sinnen zuviel vorenthalten, erfrieren wir emotional, oder aber wir ergreifen die Flucht ins Disneyland.

Überzeugende und spannende Gestaltungskonzepte verlangen die Suche nach dem bestimmenden Thema, das Herausschälen der wichtigen Elemente und das Weglassen.
Beispielsweise kann der Ausblick durch ein Fenster und dessen Wirkung im Raum durch den Verzicht auf weitere Wandöffnungen dramatisch gesteigert werden. Andererseits sind bestechende architektonische Konzepte oft Momentaufnahmen, die sich auf einen Sinn fokussieren. Das kompromisslose Festhalten an der reinen Idee kann zu beklemmender Eindimensionalität führen. Demgegenüber muss ein Haus den Bewohnern zu allen Tages- und Jahreszeiten, in unterschiedlichen Lebenssituationen und Stimmungen gerecht werden.

Wechselnde Lichtqualitäten, Raumprofile, Oberflächen und akustische Eigenschaften entsprechen natürlichen Räumen und stellen eine Verbindung zum Wesen her, das nach 2 Millionen Jahren natürlicher Evolution und wenigen Jahrhunderten technischer Zivilisation noch in uns steckt. Sinnliche Materialoberflächen und Details sind emotionale Angriffspunkte für die Aneignung von Räumen und Gegenständen durch die Benutzer.

Der Zahn der Zeit nagt nicht nur an schönen Oberflächen, sondern auch an Familien-, Firmen- und Gesellschaftsstrukturen, Vorstellungen von Lebensqualität und Verbrauchsgewohnheiten. Dies gilt es vorausschauend einzubeziehen.

Bei der Konzeption von Bauweisen und der Auswahl von Bauteilen und Materialien müsste heute die Betrachtung lokaler und globaler, sozialer und ökologischer Kreisläufe und Zusammenhänge über die ganze Nutzungs- und Lebensdauer selbstverständlich sein.

 
     
 
einige Gedanken zur Gestaltung...